Der Kindersammler

Er hat die Ausstrahlung eines Engels –
und ist der leibhaftige Teufel

Der
Kindersammler

Der Kindersammler

Anne und ihr Mann erleben den Albtraum aller Eltern: Während eines Toscana-Urlaubs verschwindet ihr Kind beim Spielen spurlos, und sie müssen zwei Wochen später unverrichteter Dinge nach Hause fahren.

Zehn Jahre danach kehrt Anne an den Ort des Geschehens zurück, um herauszufinden, was damals passiert ist. In einem einsamen Tal kauft sie eine romantische Wassermühle von einem charismatischen Deutschen. Der Mann fasziniert sie, und sie vertraut ihm bereits nach kurzer Zeit blind. Sie weiß nicht, dass dieser charmante, freundliche Mann ein Massenmörder ist, der sowohl in Deutschland als auch in Italien mehrere Kinder getötet hat und sich seit Jahren unbehelligt in den toskanischen Bergen versteckt hält …

Der Kindersammler von Sabine Thiesler macht wütend, zerrt an den Nerven, erschüttert zutiefst, reißt mit und lässt den Adrenalinspiegel fast unerträglich ansteigen.  dpa

Der Kindersammler ist auch in diesen Ausgaben erschienen:

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Ausschnitt aus dem Interview zum Buch

Wie und wann fiel Ihnen die Idee des Kindersammlers ein?

Eine Freundin von mir ging zu einer Sprachschule in Siena und erzählte mir von einer Frau, die nach zehn Jahren in die Toskana zurückgekehrt war, weil sie hier ihren Sohn verloren hatte. Er war eines Tages einfach verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Sie wusste nicht, ob er tot ist, oder noch lebt, wollte jetzt die Sprache besser lernen, um mit den Leuten reden zu können und vielleicht ein kleines Bisschen mehr zu erfahren.

Das war der Anstoß zu meinem Roman. Denn ein Kind, das verschwindet, ist meines Erachtens das Schlimmste, das einem Menschen passieren kann. Diese Ungewissheit, die einen 24 Stunden am Tag quält und nie mehr endet, macht einen verrückt. Man kann nicht trauern, man kann nicht Abschied nehmen, man wartet und geht dabei kaputt.

Ich habe auch einen Sohn, und ich wollte in meinem ersten Roman das zum Thema machen, was mich am meisten berührt.

Seid misstrauisch! Passt auf eure Kinder auf! Das Böse ist gegenwärtiger, als ihr euch vorstellen könnt!

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Ein außergewöhnlicher Thriller, in dem Sie die Identität des Täters sofort enthüllen. Warum haben Sie diese erzählende Strategie gewählt?

Der klassische Ermittlungskrimi (man findet ein Opfer, die Polizei ermittelt, es gibt einige Irrwege und Überraschungen, aber schließlich findet man den Täter) interessiert mich nicht. Es langweilt mich, weil es oberflächlich bleibt und sich mir die Psyche des Täters zu wenig erschließt.

In meinem Buch weiß man vom ersten Satz an, dass unser Protagonist ein Mörder ist, und der Leser begleitet ihn in seinem Leben, bei seinen Taten und in die Abgründe seiner Seele. Und wenn der Leser begreift, wie der Mörder tickt, wenn er die Struktur seiner Triebe versteht, baut sich unwillkürlich Spannung auf, weil er um jeden Menschen fürchtet, der ihm begegnet und in sein Opferschema passt.

Die Psyche des Mörders interessiert mich und das Leid der Opfer. Nicht die Probleme der Polizei.

Viele Leute, vor allem Frauen, sind etwas zögernd, wenn sie erfahren, dass es sich um Gewalt gegen Kinder handelt. Es scheint ein abstoßendes Thema zu sein, das Angst weckt, obwohl die Zeitungen leider voll von diesen gruseligen Berichten sind. Sie haben Seiten geschrieben, die wie ein Schlag in den Magen sind, und andere, die zu Tränen rühren. Was haben Sie empfunden, als Sie die Geschichte wie die von Benjamin geschrieben haben?

Ich weiß nicht, ob schon jemals darüber geschrieben worden ist, was ein Kind empfindet, wenn es in der Falle sitzt. Mama und Papa sind weit weg und können nicht zu Hilfe kommen, und das Kind ist genau auf den bösen Mann hereingefallen, vor dem es immer wieder gewarnt worden war. Es ist verloren und begreift, dass es keine wundersame Rettung wie in den Kinderbüchern geben wird. Es wird sterben. Es versucht zu handeln, versucht mit Gott einen Pakt zu schließen – aber es hilft nicht, der böse Mann wird es umbringen. Die Sehnsucht nach seinen Eltern, nach dem Leben, nach der Zukunft, nach noch einmal Weihnachten wird übermächtig – aber das Kind verliert und stirbt verzweifelt.

Ich glaube, bisher hat man in der Literatur die innere Verzweiflung kindlicher Opfer schlicht vergessen oder nicht hören wollen, und es tut furchtbar weh, dies hier nachvollziehen zu müssen.

Ich habe an meinem Computer gesessen und geweint, während ich dies geschrieben habe.

Aber ich hoffe, dass es die Menschen, dass es die Mütter und Väter wachrüttelt. Der Mörder hat keinen schwarzen Hut, keinen schwarzen Mantel und keine furchterregende Narbe im Gesicht. Er ist der freundliche Mann von nebenan, dem sogar die Eltern vollkommen vertrauen.

Seid misstrauisch! Passt auf eure Kinder auf! Das Böse ist gegenwärtiger, als ihr euch vorstellen könnt!

Es ist Ihnen sehr gut gelungen, in den Kopf des Mörders hineinzuschauen, und Sie haben es auch geschafft, ihm ein Herz und ein menschliches Gesicht zu geben. Kann man Mitleid für einen Mann wie Alfred empfinden, insbesondere nachdem man über Alfreds Kindheit gelesen hat?

Mitleid nicht. Man darf ihn auch nicht auf Grund seiner Kindheit entschuldigen, um Gottes Willen, aber man sollte ihn verstehen. Man sollte nachvollziehen können, warum er so wurde, wie er ist. Und man sollte daraus lernen und vorsichtiger werden. Nach dem Motto: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt.

Der deutsche Titel „Der Kindersammler“ ist ins Italienische „Das Streicheln des schwarzen Mannes“ übersetzt worden. Mir fällt ein Spruch ein, der sagt: „Wenn dich der Teufel streichelt, will er deine Seele“, und das hat viel mit Alfred zu tun. Was denken Sie darüber.

Wie schon gesagt, es hätte nichts genutzt, wenn ich einen so eindeutig negativen Mörder geschildert hätte, den kein Mensch sympathisch findet. Ich habe den Teufel gezeigt, der sich in einer unglaublich charismatischen, attraktiven Maske zeigt, einen Meister der Verstellung. Insofern trifft Ihr Spruch hervorragend zu und trifft den Charakter Alfreds. Alle, die ihm zum Opfer gefallen sind, haben einen großen Fehler gemacht: Sie haben ihm vertraut. Und Vertrauen ist in den heutigen Zeiten ein hohes Gut, das man nicht leichtfertig verschenken sollte.

Wo liegt Ihrer Meinung nach der Grund für den großen Erfolg des „Kindersammlers“?

Vielleicht liegt es an der Phantasie, die dieses Buch anregt. Die schreckliche Phantasie im Kopf des Lesers, die weit über das hinausgeht, was im Buch geschrieben steht. Die Art, wie ich die Geschichte erzähle, gibt der Phantasie des Lesers so viele Anreize, Stoffe und Möglichkeiten, dass der Leser dabei viel mehr in seine eigenen Abgründe guckt, als er es bei der üblichen Krimilektüre gewohnt ist.

Und das ist – glaube ich – die Faszination und auch das Außergewöhnliche meines Buches.

Plötzlich hörte sie einen Schrei. Einen lang anhaltenden Schrei, der gar nicht mehr enden wollte. Und in diesem Moment wusste Allora, dass das keine Katze war, sondern ein Mensch.

aus: Der Kindersammler